Kritiken: Gert Voss als Herzog

Maß für Maß

 

 

Und der seltsame Herzog, der die Moral dem Stresstest unterzieht, den sie naturgemäß keineswegs zu bestehen vermag? Gert Voss ist als Vincentio schlichtweg grandios, derlei kann niemand sonst. Allerhöchste Verwandlungskunst wird ihm hier zu zweiten Natur, ein subtilster Komödiant, wie wir es in solcher Vollendung auch bei ihm noch nie genießen durften.

 

Frei von jeglichem Posieren und leerer Virtuosität. Mit einer raubkatzengeschmeidigen Bonhomie, die stets das Geheimnis der Persönlichkeit wahrt. Wer ist dieser dunkel leuchtende Ehrenmann und Kenner der Menschen? Ein Zyniker? Ein verkappter Lüstling? Oder doch ein Weiser, ein abgeklärter Aufklärer? Wir werden es uns lange fragen.

 

Welt Online

 

 

Wenn einer wie Gert Voss einen Shakespeare-Herzog gibt, dann wird der allemal zu einem Komödianten-König, der aber auch etwas Entscheidendes über die Abgründe im Menschen zu Tage fördert. So wie das Komische im Tragischen und das Tragische im Komischen. Bei dem also der ganze Shakespeare in einer Figur bei sich ist [...].


Dieser Herzog weiß, was er in Gang setzt. Und ist im Grunde der Schlimmste von allen. Er sorgt zwar als Mönch dafür, dass es nur ein Schweinskopf ist und nicht der des Verurteilten, der Angelo gebracht wird. Doch am Ende streckt er selbst ganz offiziell die Hand nach jener Isabella aus, die sich gerade noch mit fundamentalistischer Vehemenz Angelo verweigern und ihren Bruder lieber für den Erhalt ihrer Keuschheit sterben lassen wollte.

 

Wiener Zeitung

 

 

Dieser schillernde Herrscher eines Kleinstaates, der bloß zufällig Wien heißt, ist die ideale Rolle für Gert Voss. [...] Voss, der Herzog, das ist ein absoluter Patriarch, selbstgewiss in der Fülle seiner Macht, aber auch ein schlauer Politiker, dem es darum zu tun ist, dem Geschehen immer mindestens zwei Schritte voraus zu sein.


Dem Mönch fällt das schwerer als dem Herzog – und folgerichtig stöhnt er unter dem Tempo, mit dem sich die Ereignisse entwickeln. Der fesche Senior scheint einen Hang zu Männern wie zu Frauen zu haben, aber die Frauen zieht er vor. Angesichts der schönen jungen Nonne kann der herzögliche Mönch kaum die Hände bei sich behalten, und am Ende heiratet er die Novizin sogar, aus Neigung, aber auch aus neu entdecktem Ordnungssinn, das Angenehme mit dem Nützlichen verbindend. Voss, der große Ironiker, balanciert sardonisch auf der Höhe seiner Kunst.

 

Die Presse