Der Jude von Malta
"Das macht ihm weit und breit keiner nach. Gert Voss spielt Christopher Marlowes "Juden von Malta". Er stemmt auf der Riesenbühne des Wiener Burgtheaters über mehr als drei Stunden diesen dramatischen Mordsklotz, in dem er allein mehr zu reden hat als alle anderen zusammen, und er bewältigt den Kraftakt, scheinbar ohne Krampf und Schweiß, aus jener Fülle von schauspielerischen Mitteln und jener Lust am Sich-Verausgaben heraus, die seine großen Alleingänge so besonders macht: Was ihm gelingt, wirkt, als wäre es ganz einfach und leicht.
Die Reihe der außerordentlichen Elisabethanischen Theaterhelden, die Voss vor bald 15 Jahren mit seiner ersten Burg-Premiere als Richard III. begonnen hat, setzt sich nun - nach dem Shylock, dem Othello und dem Antonius - mit diesem Marloweschen Juden Barabas fort: Er ist monströser, fratzenhafter, aus gröberem Holz geschnitzt als die Shakespeare-Figuren, doch in seinem Aufs-Ganze-Gehen nicht weniger faszinierend; er ist, anders als sie, von Grund auf amoralisch, ein Ungeheuer an Habgier und Selbstherrlichkeit.
Seiner Maßlosigkeit gibt Voss etwas Atemberaubendes. "
Spiegel Online

