Portrait Gert Voss

Rosmersholm

 

"Peter Zadeks Rosmersholm: anrührend schön, wundersam stark. Ein Theaterereignis, wie es lange keines gab (...) ! (...) Dieselben Haltungen, dieselben Gesten macht Gert Voss. Sein Romser ist genauso verklemmt wie Angela Winklers Rebekka. Verängstigte Menschen, die nicht wagen, auszubrechen aus dem Gefängnis, das sie selber sich errichtet haben, einander täuschend, diese klösterliche Einsamkeit sei ein gemeinsam genossenes Glück. (...) Peter Zadek inszeniert nicht das Enthüllungsstück, das in diesem 1887 urauf-geführten Drama steckt, nicht das Scheitern von Utopien und von Utopisten; (...) Im Zentrum der Aufführung steht das ungleiche Paar: der schüchterne, knabenhafte Weltverbesserer-Träumer Rosmer und die geheimnis-volle Frau vom Meer, Rebekka, die mit all ihren Künsten, all ihrer Kraft nicht sich selbst die Erfüllung zaubern kann, nach der sie sich sehnt. (...)"

 

Süddeutsche Zeitung, 4.12.2000

 

 

"(...) Voss ekelt sich: vor der Politik, dem Leben, seinem Benehmen. Aber er kanzelt und scharwenzelt in Peter Zadeks altmeisterlicher Regie von Rosmersholm zum Gemeinde-Erbarmen: zum Herz-Steinerweichen. Immer ist es die unsichtbare Gemeinde der Besser-Menschen, zu denen Rosmer predigt. Er täte es so gerne allen recht. (...) Sein zusammengekniffener Blick fällt die vier Gerichts-Akte lang (...) aus allen Staub- und Gerüchtwolken. (...)"

 

Der Standard, 4.12.2000

 

 

"(...) Dem Pastor, dem weichen Menschen in seinen weichen Anzügen, geht zu Kopf und zu Hand wie eine gütige Gouvernante, die da ein großes, etwas selbstmitleidiges Kind zu erziehen hat. Und Gert Voss treibt den Charakter des Pastors immer wie bis zum Sandkastenrand: dorthin, wo die besseren Schäufelchen und Eimerchen liegen, mit denen man einen ganz anderen Lebenskuchen backen könnte. Allerdings nur immer aus Sand. Voss zeigt die Unsicherheit als Geborgenheitswahn: Der Mann, der wollte, aber nicht konnte. (...)"

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.12.2000

 

 

 

"(...) Im Zentrum des Geschehens steht der Rosmer von Gert Voss. Grandioser, vermeintlich absichtsloser kann man kaum in den Bann eines unergründlichen Menschen gezogen werden. Wer ist Rosmer ? Dieser Mann mit den lauteren Idealen, der nichts erkennt, am wenigsten sich selbst. An dem die Frauen zugrunde gehen. Der selbst nie lacht, das Lachen tötet, und den doch alle lieben. Ist er ein Todesengel ? (...) In pastoraler Gütigkeit bemüht er sich um die anderen, bleibt, auch wenn er nichts durchschaut, ein Suchender, Ringender, nordisch umdüsteter Don Quixote. (...)"

 

Kurier, 4.12.2000