Othello
"(...) Und der große Gert Voss, abgründigster, verrücktester und unvergeßlichster aller Othellos, vermochte eine Figur zu finden, die geradezu selig ihr Liebesglück sucht, in Eifersucht badet wie in einem tödlichen Gesundbrunnen. Denn "Othello" gibt keine Antwort darauf, warum Othello so ist, wie er ist, warum er das tut, was er tut"
Gerhard Stadelmaier
"Dieser Othello, der noch den Mord an seiner jungen nackten Frau als elegantes Ritual im Kerzenlicht zelebriert, er sucht die Liebe und die sie verzehrende Glut. Solch ein Feuer, solch ein Fieber von tief innen - und nicht das Blendwerk rhetorischer Gebärden und 'exotischen' Temperaments - war lange, lange auf keiner Bühne mehr zu sehen."
Peter von Becker
"(...) Gert Voss - mit unerhörter, rauer Stimme, mit schwarz-afrikanischer Intonation und Hautfarbe - zeigt eine Ver-körperungskunst von waghalsiger Intensität und Vielschichtigkeit: Er spielt zugleich den schwarzen Edelmann Shakespeares, den noblen Mohren, und den schwarzen Entertainer, King Kong, das untergründige Neger-Klischee in heutigen Köpfen. (...)"
Theater heute, März 1990
"(...) Das Herrliche an George Taboris Inszenierung am Wiener Akademietheater ist, dass Tabori nicht einmal eine Teilantwort wagt. Er verweigert die bündige Auskunft über Othello. Er zeigt ihn blank, roh und ohne Korsett: Othello, der Mensch, betritt die Bühne. Und auf die Warum-Frage nach allem Unglück, allem Morden und aller Verzweiflung gibt es nur ein großes Darum! Othello entkommt allen Erklärungen. Der Mohr wird autonom. (...) Gert Voss ist ganz auf der Höhe seiner Könnerschaft. Sein Othello ist nicht einfach. Er ist mehr als ein Mensch. Und er ist mehr, als ein Mensch aushalten kann. Man weiß nun mehr von Othello. Er ist unvergesslich."
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.1.1990

