Das letzte Band
"(...) Das Regietrio Gert Voss, Ignaz Kirchner und Monika Sessler, das diese Arbeit gemeinsam verantwortet, hat diesem Beckett'schen Endspiel Krapps Metamorphose von jung auf alt als Ouvertüre vorangestellt. (...) Voss lässt Krapp in den Erinnerungsfetzen seiner Vergangenheit wühlen wie in einem Kostümfundus voller Glitzerkram, er spielt ihn aus, er orchestriert ihn in seiner ganzen Ekligkeit und in seinem Überdruss, in seinem Starrsinn und seiner kindischen Wut, in seinem hellen Elend und in seiner finster brütenden Greisenwonne. (...) Dieser Krapp hat es satt - und ist doch hungrig geblieben. Das Voss beides zu zeigen vermag, das hebt sein "Letztes Band" über die Solo-Etüde hinaus - dorthin, wo die großen Beckett-Clowns im Schein ihres Fegefeuers strahlen und nicht ver-gehen."
Theater heute, Dezember 1999
"(...) Der Krapp von Voss hört nicht erlebend mit, was Krapp früher auf Tonbänder gesprochen hat an Lebenssplittern und -träumen. Sein Krapp hört nicht sich zu, sondern einem Fremden, der die Tonbänder wie zu einer fremden Bühne gemacht hat. Der Krapp von Voss ist nicht Spieler, er ist Kritiker. Was er mit anhören muss, macht ihn fassungslos, starr, höhnisch und formulier-ungstoll vor Entsetzen. (...) Die Augen von Voss, einem der größten Augen-Blicke-Spieler, werden zu einer ganz eigenen Bühne, auf der das Lebenstheater und die Lebenstheaterkritik wie in einer herrlichen Schreck-sekunde zusammenfallen. (...) Von allen großen Krapps ist der Krapp von Voss der ungemütlichste, schärfste, un-nachsichtigste, unsentimentalste. (...) Es ist eine hin-reißende Kälte in und um ihm. Aus ihm lächelt Becketts humanes Eiseslächeln."
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.199

