Kritiken: Gert Voss als Antonius

Antonius und Cleopatra

 

"(...) Die Liebe und der ganze Orient: eine einzige Operette. (...) Die großen Gefühle sind etwas morsch und komisch geworden, aber großartig sind sie noch immer. Das Glück hat Risse, aber noch hält es. Dann aber sehen wir Antonius, den Weltenlenker, missmutig in einem Liegestuhl lungern; aus einer Schnapsflasche holt er sich Trost. (...) Eine kleine Schlacht wäre jetzt geradezu eine Erholung - verglichen mit so einer aufreibenden ägyptischen Liebe. Antonius hat die ewigen glücklichen Tage gründlich satt. So macht die Liebe Blöde aus uns allen. In ein paar raschen, immer noch beiläufigen Szenen inszeniert Zadek die Komödie des vor der Geliebten flüchtenden Mannes. (...) Alles ist dem Antonius lächerlich und leer geworden: der liebliche Krieg und die kriegerische Liebe. Nur noch ein heldenhafter Tod kann ihn heraussholen aus dieser grässlichen Posse namens Leben. Er stürzt sich in sein Schwert - aber nicht einmal das gelingt ihm auf die richtige, die römische Weise. (...)"

 

Die Zeit, 13.5.1994