Kritiken: Gert Voss als Shylock

Der Kaufmann von Venedig

 

"(...) Eine Weile denkt man, Minks' Wolkenkratzer und Zadeks Stadtneurotiker betrachtend, dass vielleicht auch Woody Allen ein wundervoller Shylock sein könnte. Doch dann tritt Gert Voss auf - und man kann alles andere vergessen. Shylock lächelt. Un er hat allen Grund dazu, denn nur er kann das Spiel um Leben und Geld, das die anderen sichtbar nervt, wirklich genießen. Wer er es einfach am Besten beherrscht. Kein Einsamer, Gejagter, Bespuckter betritt die Bühne, sondern ein Gewinner: vergnügt, sportlich, von boxerhafter Leichtigkeit und Angriffslust. (...) Shylock geht - doch diesmal trägt er nicht die Tragödie seines Volkes auf den Schultern. Er geht nicht (wie vandere Shylocks) düster seinem Untergang entgegen, er geht auch nicht in Richtung Auschwitz. Diesen Juden (das wissen die Christen, und deshalb sind sie peinlich berührt) wird man so schnell nicht los. (...)"

 

Die Zeit, 16.12.1988