Kritiken: Gert Voss als Richard III.

Die Herzogin von Malfi

 

"(...) Zum ersten Mal hat Zadek mit Gert Voss, dem Peymann-Protagonisten, gearbeitet. Er hat den von inzestuösem Liebes-Hass vergifteten Herzog Ferdinand zu spielen. Voss erscheint anfangs als Salon-Kriegsmann, in langen Stiefeln, Wams und schillerndem, breitschultrigem Jäckchen, im Gesicht mit den hohen gezupften Brauen ein fixiertes Lächeln, in dem Hochmut, Zynismus, Brutalität und Verletztheit eine gefährliche, ihn selbst auch gefährdende Mischung machen. Die hohe, scharfe Stimme sirrt nervös und agressiv. (...) Schrecken ebenso wie Mitleid erregend, wenn seine Bruderliebe ans für die Schwester tödliche Ziel gekommen ist: Da quellen die im Schreckensschmerz geweiteten Augen hervor, der Unterkiefer wulst sich in qualliger, weinerlicher Bewegung. (...) Daraus lässt Voss den Werwolfs-Wahn hervorgehen: ein trockenes, gefährliches Knurren, eine grässlich und komisch schiefe Gesichtsverzerrung. (...)"

 

Theater heute, November 1985