Die Hermannsschlacht
"Voss, ein Mann in Schwarz, ein Che-Guevara-Mützchen auf dem Kopf. Ein Intellektueller, ein Gedankenspieler... Er ist Machtmensch mit den gestischen Zeichen des Überlegenen; er ist Liebhaber und flirtet anmutig, witzig, fürchterlich. Ein schlanker Mann im Schlabbermantel, ein undurchsichtiger, seltsam unterkühlter Bursche, der mit allen spielt und nie preisgibt, was er eigentlich vorgibt, was er eigentlich vorhat, was er gewinnen will... Voss spielte, was er wußte, und er meinte, was er zeigte. Er war heute: skrupellos, menschenverachtend, intelligent."
C.B. Sucher
"(...) Schwarze Hose, schwarzes Hemd, ein langer schwarzer Mantel, eine schwarze Baskenmütze. Wie ein Künstler sieht (Hermann der Cherusker) aus, wie ein Dandy beinahe, vielleicht auch wie der berühmte Guerillero. Seine germanischen Mitfürsten behandelt er ironisch, mit herablassender Höflichkeit. Er hat, das sieht man sofort, andere, kompliziertere Pläne als diese deutschen Bieder-Köpfe. Voss, ein heller, leichtfüßiger Schauspieler, entwirft zunächst eine ganz helle Figur: ein lichter Träumer unter dumpfen Realisten. Der Krieg gegen die Römer ist für ihn vor allem eine Inszenierung, ein poetisch-philosophisches Projekt, eine präzise Wahnvorstellung - kein Beutezug, kein Kampf um Güter. Voss' Hermann ist (...) auch ein Doppelgänger seines Autors. (...) Der mörderische Hermann hat ein üppiges, blondes Weib, Thusnelda, das er unaufhörlich "Thuschen" nennt. Es ist ein großes, fast wunderbares Kunststück wie es Kirsten Dene und Gert Voss gelingt, die Komik dieser deutschen Ehe vorzuführen, ohne bloß eine Komödie daraus zu machen. (...) Gert Voss (...) spielt das Stück weit in Kleists Abgrund hinein. Je schrecklicher Hermann mordet, desto sanfter werden Voss' Mittel, seine Anmut wächst mit den Greueln. Voss versucht da keine tröstlichen Erklärungen mehr, die Figur entgleitet dem Verstehen, auch dessen, der sie spielt. Voss verzichtet auf alle theatralischen Attraktionen, gerät in eine immer tiefere Erstarrung - es herrscht Ruhe im Mittelpunkt des Wahnsinns. (...)"
Die Zeit, 19.11.1982

