Biographie:
Gert Voss wurde in Shanghai geboren, wo er bis 1948 lebte. Danach verbrachte er seine weitere Kindheit und Jungend in Hamburg, Köln, Heidenheim an der Brenz, sowie am Bodensee und studierte Germanistik und Anglistik. Er nahm privaten Schauspielunterricht bei Ellen Mahlke von 1964 bis 1966, darauf folgten erste Engagements.
Nach ersten Engagements in Konstanz, Braunschweig (Staatstheater) und München (Residenztheater) wurde er von Hans-Peter Doll, dem Intendanten von Heidelberg, später Stuttgart, entdeckt. Unter ihm war er zunächst in Stuttgart, dann wechselte er mit Claus Peymann nach Bochum und wurde mit seiner Rolle des Hermann in der Hermannsschlacht von Heinrich von Kleist zum 20. Berliner Theatertreffen 1983 eingeladen.
Mit Peymann wechselte Voss 1986 ans Burgtheater in Wien und wurde im selben Jahr als Richard III. gefeiert. Die Inszenierung wurde 1987 zum Berliner Theatertreffen eingeladen, zusammen mit dem Bernhard-Stück, in welchem Gert Voss sogar im Stücktitel vorkommt: Gert Voss überzeugte offenbar auch den Schauspielern gegenüber äußerst kritischen Thomas Bernhard, der ihm und zwei Schauspielerinnen ein eigenes Stück schrieb, das immer noch in der Originalinszenierung gespielt wird: Ritter, Dene, Voss. Bernhard hatte wie bei Minetti die Namen der gewünschten Uraufführungs-Schauspieler in den Titel geschrieben, da er wiederholt erlebt hatte, dass seine Stücke nicht mit seinen Wunschkandidaten besetzt worden waren. Vom zweijährigen Intermezzo 1994-96 im Berliner Ensemble und an der Schaubühne Berlin abgesehen, gehört Voss seither dem Ensemble des Burgtheaters an. Enge künstlerische Zusammenarbeit verband ihn am Schauspielhaus Hamburg und am Burgtheater mit Peter Zadek (John Webster, "Die Herzogin von Malfi", Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig", Tschechows "Ivanov", Ibsens „Rosmersholm", Strindbergs "Totentanz", Marlowes "Der Jude von Malta)und George Tabori, der mit ihm in der Titelrolle Shakespeares "Othello" inszenierte und für ihn die Stücke "Requiem für einen Spion", "Goldberg Variationen" und "Die Ballade vom Wiener Schnitzel" schrieb. Zusammenarbeit mit Luc Bondy an der Schaubühne Berlin (Sascha Guitry, "Der "Illusionist"), Theater an der Josefstadt Wien (Horvath, "Figaro lässt sich scheiden"), am Burgtheater und Akademietheater Wien (Tschechov, "Die Möwe", Shakespeare, "König Lear"); mit Thomas Langhoff am Burgtheater (Th. Bernhard, "Elisabeth II. und Schiller, "Wallenstein"), mit Andrea Breth am Burgtheater (T. Williams, "Die Katze auf dem heissen Blechdach"), mit Thomas Ostermeier am Akademietheater Wien(Ibsen, "Baumeister Solness").
Von seinen verschiedenen Gastauftritten, u.a. in Köln und Berlin, ist die Titelrolle im Jedermann bei den Festspielen in Salzburg hervorzuheben, die er ab 1995 vier Sommer lang spielte.
1995 wurde Gert Voss von der Times zum besten Schauspieler Europas gekürt.
Claus Peymann über ihn:
"Gert Voss ist als Schauspieler auf dem Zenit, über viele Jahre ist sein Können gewachsen."
George Tabori sagte über Gert Voss:
"Er ist ein gefährlicher, nackter Schauspieler, ein unheimlicher Clown, ein wilder Stier, aus dem Käfig ausgebrochen."
Peter Zadek sagte über ihn:
"Gert Voss hat überhaupt sehr grosse Ähnlichkeiten mit Laurence Olivier. Auch Gert Voss hat die Gabe der Vereinfachung und der Klärung. Laurence Olivier hatte diese Ausstrahlung - man guckte nirgendwo anders mehr hin, wenn er auf der Bühne war. Er hatte einen command schon durch seine Stimme. Es war enorm, was Laurence Olivier mit seiner Stimme machen konnte. Das kann Gert Voss auch, genauso wie er auch sehr scharf denkt."
Hermann Beil schreibt als "Weggefährte":
"Gert Voss gefährdet sich selbst wirklich bis zum Äußersten. Insofern ist er kein Schauspieler, der einfach auf die Wirkung seiner sogenannten Persönlichkeit vertraut. Voss verwandelt die Bühne, indem er um sein Leben spielt. Er geht aufs Ganze, und weil er stets aufs Ganze geht, bringt er immer etwas anderes mit auf die Bühne."
Theater Heute schreibt:
"Höher kann heute keine Inszenierung ansetzen als mit diesem Schauspieler."
Voss ist mit der Dramaturgin Dr. Ursula Voss verheiratet. Tochter Grischka gründete zusammen mit Ernst Kurt Weigel das bernhard ensemble, eine freie OFF-Theater-Gruppe in Wien.

